Anlässlich des Zwickauer Bürgerfests ‚25 Jahre Deutsche Einheit‘ am 3. Oktober 2015 entstand im Verein ALTER GASOMETER die Idee, sich gemeinsam mit Jugendlichen im Rahmen eines medienpädagogischen Projekts auf Spurensuche zu begeben. Welche Erinnerungen haben Menschen aus der Region an die Wendezeit 1989/90, wie veränderten sich ihre Lebenspläne, wie erlebten sie den gesellschaftlichen Umbruch, denken sie noch in den Kategorien 'Ossis' und 'Wessis'? Oder warum entschieden sie sich bewusst für ein Leben in den neuen Bundesländern? Und schließlich die Frage, wie vereint ist unser Land im Jahr 2015?

25 Zeitzeugeninterviews wurden mit Menschen aus Ost und West und dem europäischen Ausland geführt. In einem kreativen Prozess entstanden 25 Geschichten, die junge Menschen in Form einer Ausstellung aufbereiteten. Sie schrieben Texte, machten Porträtaufnahmen und produzierten kurze Videos. Für die einzelnen Teilbereiche des Multimediaprojekts standen den Teilnehmern eine Journalistin, ein Fotograf, der Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanal Zwickau (SAEK Zwickau) sowie die Pädagogen vom Jugendbereich des ALTEN GASOMETERS zur Seite.

Infos zum Projekt-Team gibt es hier

Die Menschen und ihre Geschichten

Andreas Bacher

Andreas Voigt

Barbara Gabor

Constance Arndt

Bernd Aschenborn

Daniel Friedrich

Denis Toth

Frank Maier

Jens Weise

Klaus Fischer

Michael Petzold

Stefan Kolev

Susi Rybandt

Thomas Synofzik

Ulrich König

Thomas Walther

Susanne Trauer

Heinrich Schulze

Hassan Soilihi Mzé

Jens Buschbeck

Reinhard Riedel

Liane Nass-Khaled

Andrea Haberl

Volker-Schneider

Alfred Staindl

Die Liebe zur Musik begleitet Andreas Bacher schon ein ganzes Leben lang. Dass er als Saxofonlehrer am Robert Schumann Konservatorium Zwickau mit dieser Leidenschaft im wiedervereinten Deutschland auch sein Leben finanzieren kann, macht ihn nach eigener Aussage zu einem glücklichen Mann. Wohlbehütet aufgewachsen in Zwickau-Marienthal wird er schon früh an die Musik herangeführt. Während seiner Elektriker-Lehre spielt er in der Berufsschule in seiner ersten Band und in seiner Armeezeit in Berlin lernt er Thomas Richter kennen, den heutigen Leiter der Zwickauer Musikschule.

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Andreas Voigt wuchs in einer christlichen Familie auf. Die Jugendweihe lehnten er und seine Brüder als Gelöbnis auf den sozialistischen Staat ab. Auch der FDJ tritt der gebür- tige Zwickauer nicht bei. In der Schulzeit, bei der Berufswahl und auf der Arbeitsstelle als Werkzeugmacher erlebt er eine Aneinanderreihung von Schikanen. So erhält Andreas Voigt beispielsweise keine Prämie, weil er nicht in der Gewerkschaft ist, auch seine ganze Abteilung geht wegen des „Staatsfeindes“ leer aus. Lebenspläne traut sich Andreas Voigt nicht zu machen, ohnehin ist seiner Ansicht nach im DDR-Staat alles vorgezeichnet.

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Als Jugendliche entdeckt Barbara Gabor ihr Interesse für Medizin, als sie vor und nach der Schule ihre demente Großmutter pflegt. Das Abitur und somit ein Studium bleibt ihr trotz guter Zensuren im sozialistischen Staat verwehrt: Ihr Elternhaus ist katholisch und politisch nicht aktiv. So wird sie Krankenschwester, doch noch heute wurmen sie diese verlorene Chance und der Gedanke, dass andere mit schlechteren Noten studieren und Arzt werden konnten. Damit steht Barbara Gabor innerlich schon frühzeitig in Opposition zur DDR.

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Constance Arndt ist eine engagierte Frau mit klaren Aussagen. Ihr beruflicher Werdegang führt die gebürtige Dresdnerin von der Landeshauptstadt nach Zwickau, wo sie heute als Stadträtin aktiv ist. Von der Auszubildenden im Einzelhandel hat sie sich bis zur Filialleiterin hochgearbeitet, zunächst im Modehaus Wöhrl in Zwickau, inzwischen arbeitet sie in Plauen.

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Bernd Aschenborn ist mit Leib und Seele Sportler. Bereits seit seiner Kindheit ist er als Skilangläufer bei Lok Zwickau aktiv und nimmt an zahlreichen Wettkämpfen teil. Doch irgendwann will er auf Strecken jenseits der Grenze laufen. So nutzt er diverse Familienfeiern der Westverwandtschaft, um sich außerhalb der DDR sportlich zu messen. An einen Visumsantrag erinnert sich der Rentner noch wie heute: Als seine Cousine ein Kind bekommt, sieht er endlich die Chance am Wasa-Lauf in Schweden teilzunehmen und sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Da sei der „Genosse Hauptmann“ laut geworden und habe ihn gefragt, was er sich erlauben würde ins „kapitalistische Ausland“ reisen zu wollen. Über Umwege kann Bernd Aschenborn den 90 Kilometer langen Skilauf letztendlich antreten – 1989 noch als einziger DDR-Bürger.

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Daniel Friedrich hat die Liebe nach Sachsen verschlagen – die zu seiner Freundin und seinem Beruf. Nach dem Abschluss seines Lehramtsstudiums in Mainz steht ihm der Weg nach West und Ost offen: Werdau in Sachsen oder Trier in Rheinland-Pfalz werden dem Lehrer für sein Referendariat angeboten. Da seine aus Hamburg stammende Freundin bereits eine Ausbildung Scheiderin in Leipzig angetreten hat, ist die Entscheidung schnell getroffen. Die Reaktionen seiner Familie und seiner Freunde fallen gemischt aus.

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Denis Toth hat eine schöne Kindheit und Jugend: Trotz seiner Behinderung, er sitzt bereits sein ganzes Leben im Rollstuhl, absolviert er eine Ausbildung zum Teilgeräte- Montierer im Zwickauer Sachsenring-Werk und montiert dort bis zur Wende Kleinteile für Trabbis. „Für mich war der 9. November das Beste, was mir in meinem Leben bis jetzt passieren konnte“, sagt er ungeachtet dessen mit einem Strahlen im Gesicht.

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Mit 29 Jahren beschließt Frank Maier für die damalige DDR-Zeit etwas recht Ungewöhnliches: Er will noch einmal etwas ganz anderes machen und geht Mitte der 80er zur Polizei, wird Abschnittsbevollmächtiger. Als ABV ist er für die Gemeinde Blankenhain zuständig und in den Wirren der Wendezeit auch für die Absicherung mancher Montagsdemonstration in Werdau oder Crimmitschau.

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Sein ganzes Leben wollte er nur eins: Musik machen. Jens Weise, der sich seinen Traum erst recht spät erfüllte, ist heute freiberuflicher Musiker. Der Weg dahin war kein gerader, viele Umwege ist der Zwickauer gegangen. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr steht er auf der Bühne, spielt seine Lieder. „Das war schon immer mein Leben, mein Bestreben und meine Freude vor allen Dingen.“

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Klaus Fischer hat die Liebe in den Osten verschlagen. Dass er am Ende zum „Ossi“ wird und in Zwickau landet, steht jedenfalls nicht auf seinem Lebensplan. Geboren in Tübingen spielt der zweite deutsche Staat in seinem Leben bis zur Wende keinerlei Rolle. Als Student der Germanistik, Philosophie und Anglistik beobachtet er mit seinen Kommilitonen 1989 über die Medien, was sich im Ostblock abspielt. Als er vom Mauerfall hört, ist er gerade bei Freunden zum Essen eingeladen. Bis 4 Uhr früh sitzt er dann mit seiner Mutter, die er extra aus dem Bett holt, vor dem Fernseher. „Tief bewegt“, wie er sich erinnert.

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Mit Mitte zwanzig geht Michael Petzold zur Nationalen Volksarmee, wo er auch die Wendezeit erlebt. Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist: Der Polit-Unterricht verändert sich in dieser Zeit ganz plötzlich. „Verbrechen gab es in der DDR nie, das ist immer tot geschwiegen worden“, sagt er. Doch dann kommen Offiziere zu ihm und seinen Kameraden und erzählen ihnen von eben  solchen Verbrechen und von ihrer Zeit in der Sowjetunion. Auf einmal wird deutlich, dass das große Vorbild Kratzer hat und sich schließlich sogar als das komplette Gegenteil entpuppt. 

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Stefan Kolev kann sich noch genau daran erinnern, dass er am 9. November 1989 bei seinen Großeltern war. Denn sein Großvater sagte mit Blick auf den Fernseher „Ach, in Berlin tut sich etwas“. Am Tag darauf stürzt auch das sozialistische Regime in Bulgarien in sich zusammen. Noch heute sieht sich Stefan Kolev als Kind bei einer der größten Kundgebungen in Sofia im Juni 1990 auf den Schultern seines Vaters sitzen – inmitten von einer Million Menschen.

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Sie hat viel gesehen, war mal hier, mal da und dann kam Zwickau: Susi Rybandt lebt seit über zehn Jahren im Osten und fühlt sich hier mit ihrem Mann und ihrem Sohn sehr wohl. Geboren wurde sie in Mainz, wuchs in einem ländlichen Vorort auf. Nach der Lehre geht sie nach Hockenheim, arbeitet in Heidelberg als Zahnarzthelferin. Schließlich wagt sie den Schritt in die Metropole Hamburg, wo sie nach ihrem Fachabitur beginnt Medizintechnik zu studieren. Durch ein Praktikum entdeckt sie ihren wahren Traumberuf: Stahlbau-Ingenieurin.

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„Schumann war meine große Liebe, schon als Kind“, sagt Thomas Synofzik. Dass er heute das Robert-Schumann-Haus in Zwickau leitet, verdankt er der deutschen Wiedervereinigung. Der gebürtige Dortmunder wuchs in Unna auf. Seine Eltern hatten keinerlei musikalische Ausbildung geschweige denn Neigung und doch fing der damals 5-Jährige an Klavier zu spielen. Bereits im Kindesalter hörte er die ersten Stücke von Robert Schumann und las schon mit neun Jahren die Biografie seiner Frau, Clara Wieck. Nach seinem ersten Schumann-Kongress stand für den 14-Jährigen fest, dass er Musikwissenschaftler wird.

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Viele Jahre ist Ullrich König ein „Pendler zwischen den Welten“, lebt in Köln, arbeitet jedoch im Osten. Vor zehn Jahren zieht der gebürtige Freiburger endgültig nach Crimmitschau. Mittlerweile ist er Rentner und ehrenamtlich als sächsischer Friedensrichter tätig. Dass sein Leben einmal eine solche Wendung nimmt, hätte der ehemalige Offizier der Bundesluftwaffe eher nicht gedacht.

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„Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Dieses Zitat passt in vielerlei Hinsicht zu Thomas Walther. Denn der Crimmitschauer Unternehmer begann seine berufliche Laufbahn in der Schmiede seines Vaters, seit der Wende führt er den Betrieb. Sich nicht nur von den Umständen treiben lassen, sondern selbst aktiv werden, gilt für ihn heute wie damals.

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Susanne Trauer gehörte schon vor der Wende zu den Menschen, die es als innere Dringlichkeit empfinden, etwas zu verändern und Dinge nicht einfach so hinzunehmen. Das tut sie bis heute. Schon als Halbwüchsige verwickelt sie ihre Eltern – ihre Mutter war in der Kirche, ihr Vater in der Partei –  in Diskussionen über den DDR-Staat. 

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Als Leiter des Zwickauer Puppentheaters hat sich Heinrich Schulze über viele Jahre einen Namen gemacht und bis heute ist er als Geschichtenerzähler, Puppenspieler und Maler tätig, Rentnerdasein hin oder her. Die Wende hat er als aufregende Zeit in Erinnerung: Man kam gar nicht zur Ruhe. Von der Grenzöffnung selbst erfährt Heinrich Schulze erst einen Tag später im Radio, sitzt dann den ganzen Tag vor dem Fernseher, um das Geschehen zu verfolgen.

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Hassan Soilihi Mzé kennt die DDR nur aus Kindheitstagen, doch der sozialistische Staat hat sein Leben geprägt und prägt es bis heute. Sein Vater ist auf den Komoren, einem Inselstaat bei Madagaskar, geboren und damit französischer Staatsbürger. Ab Ende der 70er Jahre arbeitet er als Koch für französische Ingenieure im Sachsenring, so lernen sich seine Eltern kennen und lieben. Doch obwohl sie verheiratet sind, zwei Kinder haben und gemeinsam in Wilkau-Haßlau leben, erhält der Vater nie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

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„So viele intensive Erlebnisse habe ich in einem Jahr in meinem Leben nie wieder gehabt“, erinnert sich Jens Buschbeck 25 Jahre nach der Wende an diese Zeit zurück. Er studiert damals gerade Theologie in Leipzig, erlebt die Montagsdemos vor der Nikolaikirche ebenso hautnah wie die Friedensgebete in der Zwickauer Lutherkirche, wenn er am Wochenende nach Hause fährt.

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Der Pfarrerssohn Reinhard Riedel hat die meiste Zeit seines Lebens in Zwickau verbracht. Hier erlebt er auch die Wende anfangs sehr euphorisch, doch bald stellt sich die Ernüchterung ein. Denn schnell wird ihm bewusst, dass für einen dritten Weg, eine Alternative neben BRD und DDR, weder der Wille vorhanden ist noch die Zeit.  

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Liane Nass-Khaled ist seit elf Jahren Rentnerin, nachdem sie ein Leben lang als Erzieherin und Leiterin eines Kindergartens ihren Traumberuf gelebt hat. Ein ruhiges Rentnerdasein führt die Zwickauerin trotzdem nicht: Auch nach 45 Jahren als Übungsleiterin bringt sie wöchentlich vier Sportgruppen auf Zack, obwohl sie meist deutlich älter ist als ihre Teilnehmer. Bereits zu DDR-Zeiten ist Liane Nass-Khaled sportlich aktiv: Vor ihrer Heirat und der Geburt der Tochter ist sie Leistungssportlerin, soll sogar zur Fecht-Weltmeisterschaft fahren. Mit der Familiengründung und dem Umzug von Chemnitz nach Zwickau legt sie das Florett zur Seite,  engagiert sich dafür unter anderem im Breitensport. 

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Andrea Haberl hat die DDR jeden Tag vor Augen, wenn sie sich in ihrer Wohnung umsieht. Die Mutter von drei Kindern sammelt leidenschaftlich gern Spielsachen, Kinderbücher und Schallplatten aus dieser Zeit. In ihrer Familie ist das Leben vor der Wende daher immer wieder Thema, sie erinnert sich oft und gern zurück. „Vermissen tue ich die DDR aber sicher nicht“, sagt Andrea Haberl mit Nachdruck. „Ich hänge nur an diesen Dingen.“ Zudem geht es ihr heute gut und sie hat von der Wende profitiert, da ihre Lehrjahre bei Sachsenring von ihrem neuen Arbeitgeber Volkswagen anerkannt wurden und sie somit mehr als 30 Jahre Betriebszugehörigkeit vorweisen kann.

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An den 9. November 1989 kann sich Volker Schneider noch genau erinnern: In den Heute- Nachrichten hört er zum ersten Mal von der Presseerklärung Günther Schabowskis. Bis in die Nacht hinein verfolgt er die Geschehnisse, sieht die ersten DDR-Bürger über die Grenze kommen. Noch heute hat er diese Fernsehbilder im Kopf. Das Besondere für ihn: Seine Ehefrau, die im Osten  geboren ist und kurz vor dem Mauerbau mit ihren Eltern flüchtete, feiert zwei Tage später ihren 30. Geburtstag. „Spät in der Nacht haben wir noch Besuch aus dem Osten bekommen. Das war schon ein Highlight“, erinnert sich der Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung (ZEV).

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Alfred Staindl kam vor vier Jahren nach Deutschland und sein Leben drehte sich damit um 180 Grad. Nach 25 Jahren als Bankkaufmann in Wien entscheidet er sich für einen völlig neuen Weg: Er macht eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger und arbeitet heute für die Mobile Behindertenhilfe der Stadtmission Zwickau. Zuvor kannte der gebürtige Österreicher Zwickau nur als Trabi-Stadt.

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